Ein Abend voller Authentizität und zeitloser Botschaften

Der Freiburger Sänger Dirk Rappold hat am Samstag, 26.09.26, im Gemeindesaal der Kirchengemeinde das Publikum in seinen Bann gezogen. Mit kleinem Podest, Mikrofon und kompakter Verstärkeranlage schuf er eine intime Atmosphäre, die den Kern von Reinhard Meys Kunstverständnis einfing.
Mit kurzweiliger und gekonnt eingesetzter Moderation führte Rappold sein Publikum durch den Abend. Seine tiefe Kenntnis der Entstehungssituationen und des Kontextes von Reinhard Meys Liedern bereicherte jede Ansage und schuf eine unmittelbare Verbindung zwischen Künstler und Zuhörer. Die authentische Interpretation war dabei absolut beeindruckend: Rappold akzentuiert, spricht und singt außergewöhnlich deutlich, sodass die Inhalte und Botschaften der Lieder direkt beim Publikum ankamen und ihre volle Wirkung zeigten.
Ob beim humorvollen Erziehungschaos eines Vaters, überforderten Männern im Baumarkt oder bei „Hempels unterm Bett“ – die vielfältige Palette von Meys Werk kam zur Geltung und bewies deren zeitlose Relevanz.

Ein besonders ergreifender Moment war die Interpretation von „Nein meine Söhne geb ich nicht“. Rappold rahmte das Lied mit einer aktuellen Reflexion ein: „Egal welche Eltern, welcher Nationalität auch immer – keiner möchte seine Eltern in einen Krieg schicken.“ Der dreifache Familienvater traf damit das Publikum mitten ins Herz. Die Zuhörer lauschten in nachdenklicher, andächtiger Stille – ein Moment, der die zeitlose Kraft dieser Musik eindrucksvoll demonstrierte.
Zum Nachdenken brachte Rappold sein Publikum auch mit „Das Narrenschiff“. Mey selbst betitelte dieses Werk als „Bericht zur Lage der Nation“ – es kritisiert immer wieder Zeitgeist, Politik und gesellschaftliche Fehlentwicklungen. Obwohl Mey dieses Lied längst nicht mehr in Konzerten aufführt, hat es an Bedeutung nicht verloren. Ein beeindruckender Beleg: Das Lied landete 2025 in der SWR1-Hitparade auf Platz 4. „Das Lied wird immer aktueller, je älter es wird“, kommentierte Rappold dieses zeitlose Phänomen treffend.

Aus dem rund 550 Lieder umfassenden Repertoir von Reinhard Mey wählte Rappold die Stücke bewusst und umsichtig aus. Den ganzen Abend über spielte er mit großer Sicherheit auf der Gitarre und sang sein komplettes Programm extrem textsicher auswendig – eine beeindruckende Leistung, die sein tiefes Verständnis und seine intensive Beschäftigung mit Meys Werk dokumentiert.
Mit dem Lied „Die Zeit des Gauklers ist vorbei“ leitete Rappold den Schluss des Konzertes ein. Doch die Dunninger ließen ihn nicht ohne zwei weitere Zugaben von der Bühne. Mit „Über den Wolken“ zeigte sich das Publikum textsicher und mitsingfreudig, bevor Rappold mit „Gute Nacht Freunde“ einen stimmungsvollen Abschluss schuf. Der restlos begeisterte Saal entließ den Künstler mit Applaus, der die emotionale Tiefe des Abends widerspiegelte.
Das Konzert wurde vom Alianza-Gremium mit Chachapoyas organisiert und die Einnahmen kommen auch den Projekten in Peru zugute. Ein Konzert, das zeigte: Meys Worte und Melodien sind zeitlos – und Interpreten wie Dirk Rappold verstehen es meisterhaft, sie lebendig zu halten und ihre Botschaften an ein neues Publikum zu vermitteln.
Text und Fotos: Frank Friedrich






