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Die Geschichte unserer Partnerschaft

Teil 1: Von der Gründung 1980 bis 1990

Dunningen, Seedorf und Lackendorf startete vor 40 Jahren eine für viele kirchliche Partner- und Patenschaften beispielhafte Bewegung. Nachdem der damalige Pfarrer von Dunningen, Josef Neuenhofer, den Kontakt zu Bischof Antonio de Hornedo in der nord-östlichen Diözese Perus geknüpft hatte, machte der Bischof 1980 auf dem Rückweg von Rom einen Abstecher nach Dunningen. Schnell war die Basis für eine dauernde Beziehung der beiden Macher der Partnerschaft vorhanden und Josef Neuenhofer warb in vielen Gesprächen und Predigten für diese Partnerschaft für die er und viele Helfer den ersten Missionsbazar zu Gunsten von Chachapoyas organisierte.

Im Jahr darauf reisten Josef Neuenhofer mit Fridolin Mauch nach Chachapoyas. Von Lima über die Panamericana nach Norden, dann stundenlang auf Schotterwegen über die Anden Richtung Regenwald. Dort besuchten die Beiden die Diözesanversammlung, freundeten sich mit vielen aktiven und auch interessierten Peruanern an und begaben sich auf eine abenteuerliche achttägige Rundreise auf dem Rücken von Mulis und Pferden durch die Anden. Bischof Antonio besuchte zahlreiche Pfarreien, in denen er und seine Gruppe sehr herzlich empfangen wurden. Was für Fridolin Mauch als Einziger ein Problem darstellte war auch für spätere Besucher eins: die Sprache! Was alles zwischen Josef Neuenhofer und Bischof Antonio spanisch besprochen wurde konnte gar nicht gänzlich übersetzt werden… Aber die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der peruanischen Andenbevölkerung trafen mitten ins Herz und so wurde klar: die Partnerschaft kann nur durch gegenseitigen Austausch gelingen. Durch zahlreiche Diavorträge von Pfarrer Neuenhofer und Fridolin Mauch bekamen viele Interessierte einen besseren Einblick und so gründete sich der erste „Freundeskreis“ in Dunningen, der später zum Missionskreis wurde und lange von Hermann Mauch geleitet wurde. Im Jahr 1982 kam Pater Javier aus Chachapoyas nach Dunningen, nahm an einer Jugendfahrt nach Taizé teil und begeisterte die Gruppenleiter, es folgten auch andere Pfarrer in den Folgejahren.

Zur gleichen Zeit war Thomas Belke Zivildienstleistender in der Pfarrgemeinde Dunningen, er begeisterte sich ebenfalls und ging im Anschluss an seine Dienstzeit 1983 als erster nach Chachapoyas um dort für ein Jahr zu erleben. In den ersten 10 Jahren gingen insgesamt 17 Personen nach Chachapoyas, um in mehrjährigen Einsätzen sich einzubringen. Damals wurden sie noch „Laienmissionare“ genannt und lebten im inzwischen dafür gekauften Haus der Partnerschaft. Die „Laienmissionare“ arbeiteten in der Gemeindekatechese, dem Gesundheitshelferprogramm, in der Kinder- und Altenbetreuung, bei Bauarbeiten wie dem Altenwohnheim, leiteten die diözesaneigene Schreinerei und waren für den Aufbau einer Radiostation zuständig. 1987 gründete man eine weitere Gemeinschaft im Süden der Diözese in Mendoza und 1989 eine weitere in Molinopampa. Nach 10 Jahren Partnerschaft war man stolz auf drei Hausgemeinschaften, die aus engagierten spanischen und peruanischen Freiwilligen und eben denen aus Dunningen Entsandten entstanden. Basis der christlichen Gemeinschaften war die morgendliche „Laudes“ in der hauseigenen Kapelle, gemeinsame Gottesdienstbesuche, die Arbeit in den Pfarreien und oft das gemeinsame Musizieren.

Um das 10-jährige zu feiern wurden dann auch 10 Peruaner nach Dunningen eingeladen, die sich bereits in Chachapoyas für ihr ehrenamtliches Engagement auszeichneten. Ein erster „beidseitiger“ Austausch war damit gegeben und vielen werden noch die damaligen Besucher in ihrer Herzlichkeit in guter Erinnerung sein – ob bei Ansprachen im Gottesdienst oder bei Vorträgen zum 10-jährigen Jubiläum.

Teil 2: 1990 bis 2000, turbulente Jahre mit viel Veränderung

Das 10-jährige Jubiläum der Partnerschaft war der vorläufige Höhepunkt der Partnerschaft 1990. In Chachapoyas waren gleichzeitig bis zu 15 Personen im Einsatz und das Haus der Partnerschaft war zu klein. Auf den Namen der Diözese wurde ein zweites Haus gekauft und die Gemeinschaften teilten sich auf.

In Dunningen wurde zusätzlich zum Missionskreis ein Rat der Partnerschaft gegründet, dem neben Pfarrer Josef Neuenhofer 4 weitere Personen angehörten. In diesem Rat wurde über die neuen Aufgaben der Partnerschaft gesprochen und entschieden. So hatte man den Plan für 1991 fünf Peruaner nach Dunningen einzuladen. Zwei junge Frauen, die eine Ausbildung zur Krankenpflegerin im Krankenhaus Rottweil beginnen konnten und drei junge Männer, die in Oberndorf eine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker erlernen sollten. Sie wurden im Herbst 1990 vorbereitet und kamen im Frühjahr 1991 nach Dunningen. Sie lebten dort in Gastfamilien und lernten zunächst Deutsch bevor sie im Herbst 1991 ihre Ausbildung begannen.

Aufgrund der Kommunikationsproblematik zwischen Rat und den Laien in Peru entschied man sich zu einer Klausur im Februar 1991 gemeinsam nach Lima zu reisen, wo alle Freiwilligen anwesend sein konnten. Es wurde klar, dass die Partnerschaft unter der maßgeblichen Leitung von Josef Neuenhofer wie bisher an ihren Grenzen angelangt war. In Peru waren nunmehr erwachsene und gut ausgebildete Laien im Einsatz, welche die Bedürfnisse in Chachapoyas, weil vor Ort, besser einschätzen konnten und eine direkte Leitung von Dunningen aus war daher kaum mehr möglich. Im gleichen Jahr trat der beliebte Bischof Antonio altershalber zurück und Bischof Angel Francisco Simon Piorno (auch bekannt als Bischof „Paco“) wurde in Chachapoyas zum Bischof geweiht. Bischof Paco war ein „Macher“, durch und durch. Er startete in wenigen Monaten nach seinem Amtsantritt insbesondere dringend notwendige Bauprojekte in der Diözese Chachapoyas. Insofern hatte Pfarrer Neuenhofer jetzt in Chachapoyas nicht mehr den lange vertrauten Ansprechpartner wie zuvor.

Auch in der Diözese Chachapoyas war inzwischen in den Randbezirken der Terrorismus des „Leuchtenden Pfads“ angekommen und der Staat verurteilte ganze Dörfer der Beihilfe zum Terrorismus, wobei viele im Schnellverfahren zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt wurden. In Chachapoyas gründete sich daher die Menschenrechtskommission, die durch unermüdlichen Einsatz, u.a. zahlreicher Rechtsanwälte, dutzende von unschuldig inhaftierten Personen wieder aus dem Gefängnis holte.

Anfang 1993 verließ Pfarrer Josef Neuenhofer die drei Pfarrgemeinden um in La Paz, Bolivien, an neuer Stätte etwas aufzubauen. Während der Vakanz war Pfarrer Bühler mit Hermann Mauch maßgeblich an der Gründung des „Gemeinsamen Missionsausschusses (GMA)“ beteiligt, der die gesamte Verantwortung für die Partnerschaft mit Chachapoyas übernehmen sollte und somit den Rat als auch den Missionskreis ablöste. Ab diesem Zeitpunkt übernahm Fritz Lohmüller die Leitung des Gemeinsamen Missionsausschusses.

Bei einer beispiellosen Naturkatastrophe in der Nähe von Magdalena verwüstete eine Schlammlawine das komplette Dorf Tingo. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt, da ein Einwohner die Dorfbevölkerung rechtzeitig warnen konnte. Tingo musste neu aufgebaut werden. So entstand unter der Leitung von Architekt Bernard Gueblez und Andreas Dobusch an einem nahegelegenen Standort auf einem Hügel die neue Siedlung. Aus Dankbarkeit für die Hilfe beim Wiederaufbau sind bis heute wichtige Straßen nach ihnen und der „Alianza“ benannt.

1994 wurde Kilian Hönle zum Ortspfarrer unserer Kirchengemeinden ernannt. Er unterstützte die Partnerschaft und Bischof Paco freundschaftlich.
Es begann der Aufbau und die Produktion von Dachziegeln in einer Ziegelei der „Alianza“.

1995 wurde Monseñor Paco als Bischof der Nachbardiözese von Chachapoyas eingesetzt und Bischof José Ignacio Alemani Grau folgte in Chachapoyas. Er leitete eine schmerzhafte Umstrukturierung in Chachapoyas ein, unter der auch die Laien sehr zu kämpfen hatten. Ein offener Dialog und eine konstruktive Zusammenarbeit wie zuvor, war nicht mehr möglich. Die Arbeit der Laien war fortan nicht mehr willkommen. Letzter Laie vor Ort war in dieser Zeit Architekt Bernard Gueblez, der sich mit voller Kraft in Bauprojekte zur Wasser- und Abwasserversorgung, sowie dem Brückenbau kniete, bevor er 1999 seine Rückkehr ins Elsass ankündigte. Ohne der Präsenz und Arbeit von Laien in Chachapoyas, sah man hierzulande den Fortbestand der Partnerschaft gefährdet.

Im inzwischen leergewordenen zweiten Haus der Partnerschaft wurde 1997 das neue Projekt „Internat für junge Studenten“ initiiert. Die etwa 10 Studentinnen und Studenten wurde durch eine Familie betreut und waren in der Lehrer- oder einer Technikerausbildung.

Teil 3: 2000 bis 2010, Paukenschlag und neuer Bischof – die Partnerschaft nimmt wieder Fahrt auf!

In der für die Partnerschaft sehr schwierigen Zeiten, die sich in den letzten 90er-Jahren abzeichnete, waren sich zwei junge Männer ihre Chance, aber auch ihrer Verantwortung bewusst und gingen im Januar 2000 für mehrere Jahre nach Chachapoyas: Andreas Haag und Micheal Rebholz. Sie übernahmen die Projekte von Bernard Gueblez, der nach zehnjähriger Arbeit in Chachapoyas wieder in seine elsässische Heimat zurückkehrte.

Im Mai 2000 besuchte uns der ehemalige Stadtpfarrer von Chachapoyas Juan Manuel und die langjährigen aktiven Begleiter der Partnerschaft Krishna und Maruja. Noch während ihres Besuchs trat Bischof Alemani Grau vom Amt in Chachapoyas zurück. Zu groß war der öffentliche Druck auf seine Person, denn inzwischen wurde auch im peruanischen Fernsehen über die schwierigen Verhältnisse und öffentlichen Protestmärschen in der Diözese berichtet. Alemani Grau wurde nach Rom zitiert und erklärte dann seinen Rücktritt.

Zum Diözesanadministrator wurde Monseñor Emiliano Cisneros Martinez aus der Nachbarprälatur Chota bestimmt. Jetzt war wieder eine breite Basis für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit gegeben und so konnten wir nach 1995 wieder den ersten Zivildienstleistenden in den Friedensdienst nach Chachapoyas entsenden. Bereits im Frühjahr 2001 kam Bischof Emiliano zum ersten Mal nach Dunningen wo er durch seine bescheidene, aber freundliche und offene Art sofort Freunde fand. Im Herbst des gleichen Jahres wurden drei weitere Laienmissionare nach Chachapoyas entsandt.

Im gleichen Jahr war die Gründung der Universität in Chachapoyas, ein für das ganze Departement Amazonas wichtiger Schritt in Richtung Zukunft. Bis zur eigentlichen Aufnahme des Betriebs vergingen aber noch ein paar Jahre.

Im Mai 2002 wurde Bischof Emiliano zum Bischof von Chachapoyas ernannt und Pfarrer Kilian Hönle löste sein Versprechen ein und konzelebrierte bei der Investitur mit vielen anderen Bischöfen und Priestern in Chachapoyas. Unter der Leitung von Bischof Emiliano kehrte wieder ein offenes und vertrauensvolles Miteinander in der Diözese ein.

Im Jahr 2004 kam, wie auch in vielen vergangenen Jahren, ein Container mit gesammelten Hilfsgütern und Kleidern aus Deutschland in Chachapoyas an. Die Kleider wurden in verschiedenen Pfarreien der Diözese Chachapoyas zu einem symbolischen Preis verkauft. Es waren auch Spielsachen und Kuscheltiere dabei, die durch die Freiwilligen sortiert und bei der „Chocolatada“ (weihnachtlichen Feierstunde), zusammen mit heißer Schokolade und einem Stück „Panetón“ (Weihnachtskuchen) an glückliche und strahlende Kinder in armen Stadtvierteln und Dörfer überreicht wurden.

Im Jahr 2005, nach 5 Jahren in Chachapoyas, hat Michael Rebholz dann die Rückkehr nach Dunningen angetreten. Inzwischen waren die Aktivitäten in Chachapoyas wieder vielfältiger und insbesondere wuchs die Nachfrage nach Ziegeln der „Tejería Alianza“ (Ziegelei der Alianza) die inzwischen mehrere festbeschäftigte Arbeiter hatte.

So feierte man im Februar des Jahres 2005 „25 Jahre Partnerschaft“. Ein abwechslungsreiches Programm in allen drei Kirchengemeinden zudem auch eine fünfköpfige Besuchergruppe aus Chachapoyas begrüßt wurde. Zahlreiche Ehemalige Freiwillige, die in den Hausgemeinschaften in Chachapoyas gelebt haben, waren ebenfalls nach Dunningen gekommen.

Im Gemeinsamen Missionsausschuss in Dunningen übergab Fritz Lohmüller die Gesamtleitung an Dagmar Braun. Die vielfältigen Aufgaben konnten aber nur durch zahlreiche aktive Mitarbeiter im Missionsausschuss bewältigt werden. Dennoch wurden schrittweise die Aufgaben in Arbeitskreisen organisiert.
Im Jahr 2005 und 2006 wurde über den Verein Alianza e.V. in Kooperation mit der Alianza ONG, dem peruanischen Pendant des Vereins, ein Großprojekt durchgeführt, das zu Großteilen durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wurde. So wurden drei Dörfer des Distriktes Luya an die Stromversorgung in San Juan angeschlossen.

Im Folgejahr wurde in Chachapoyas auf Initiative von Lioba Lohmüller, damals im Freiwilligen Sozialen Jahr, der „Alianza-Rat“ (span. consejo) gegründet. Er ist das wichtigste Entscheidungsgremium der Alianza in Chachapoyas. Ihm gehören zahlreiche Personen aus Chachapoyas an, die eingehend mit den Verhältnissen vor Ort vertraut sind und ehrenamtlich ihre Erfahrung bei Planung und Durchführung von Projekten einbringen. Auch Andreas Haag, der inzwischen in Chachapoyas ansässig wurde und geheiratet hatte, ist Mitglied des Gremiums und trägt wesentlich Verantwortung für die Umsetzung der vielfältigen Projekte und des Betriebs der Ziegelei.

Wichtige Entscheidungen, beispielsweise die Vorauswahl von Projekten, werden im Alianza-Rat getroffen. Gleichzeitig ist er auch die Schnittstelle zum Gemeinsamen Missionsausschuss (GMA) in Dunningen und zur Leitung der Diözese Chachapoyas. Damit wurde die Arbeit und Entscheidungen auf mehrere Schultern verteilt, was ein großer organisatorischer Fortschritt war, dem im Jahr 2007 auch die Gründung eines Gremiums zur Auswahl und Betreuung der Studenten im Internat folgte.

Im Jahr 2007/2008 wurde ein weiteres Großprojekt mit finanzieller Unterstützung des BMZ durch den Verein Alianza e.V. und der Alianza ONG in Chachapoyas realisiert: Fünf Dörfer der Provinz Luya wurden durch lokale Quellfassungen mit Trinkwasser versorgt.

2007 wurde unsere Partnerschaft mit Chachapoyas von der Diözese Rottenburg-Stuttgart für ihr 27-jähriges Bestehen ausgezeichnet. In der Laudatio hieß es:
„Die Partnerschaft soll mit dem 1. Preis ausgezeichnet werden, weil sie nach Ansicht der Jury im Hinblick auf ihre Beständigkeit, auf Vielfalt und Umfang des Engagements in unserer Diözese ihresgleichen sucht, und viele Dinge, die heute auch in anderen Partnerschaften gang und gäbe sind, als eine der ersten erprobt hat. So z. B. auch die Entsendungen von Freiwilligen und Fachkräften der Entwicklungszusammenarbeit, die in Chachapoyas in einem Haus zusammen mit Einheimischen und Freiwilligen aus anderen Ländern leben, arbeiten und Gemeinschaft pflegen.“

Die Kleidersammlungen wurden bis zum Jahr 2008 jährlich in Dunningen und den umliegenden Dörfern sehr erfolgreich mit zahlreichen Helfern durchgeführt. Alle zwei Jahre wurde mit Hilfe zahlreicher Gruppierungen und Vereinen auch der große Missionsbazar organisiert, der sich immer mehr zum Publikumsmagneten entwickelte und der mit dem Erlös maßgeblichen Anteil an der Finanzierung unserer Projekte in Peru beitrug.

Teil 4: 2010 bis 2020, das peruanische Umfeld ändert sich und wir passen uns mit unserer Hilfe an!

Die Anfragen für Stipendien im Alianza-Internat haben deutlich zugenommen. Früher waren hauptsächlich angehende Lehrer und Berufe mit technischer Ausbildung gefragt und in Chachapoyas möglich. Jetzt sind es Studenten der Universität mit Schwerpunkt im Bereich der Landwirtschaft. Der Universitätsbetrieb in Chachapoyas trägt Früchte: etwa 80% der Studenten kommt aus der Diözese Chachapoyas.

Inzwischen stieß das alte Haus des Internats an seine Grenzen. Die Erweiterung um ein zweites Stockwerk gab die Bausubstanz nicht her. Nach Prüfung der Möglichkeiten zur Finanzierung eines Neubaus, halfen uns Adveniat und die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die Pläne und Anträge wurden im Jahr 2010 ausgearbeitet, beantragt und genehmigt. Der Internatsbetrieb musste für mehrere Monate in einer provisorischen Unterkunft weiter gehen. Die Bauarbeiten für dieses arbeits- und auch sehr kostenintensive Projekt begannen im Mai 2011. Die Stadtverwaltung unterstützte uns zu Beginn der Bauphase mit schwerem Gerät. Als Begünstigte des Internats leisteten die Stipendiaten viele Stunden harte körperliche Arbeit. Auch weitere Freunde und Mitarbeiter investierten enorm viel Zeit, um sich bei diesem Projekt gemeinschaftlich zu engagieren. Am 08. Oktober wurde dann der Neubau durch Bischof Emiliano eingeweiht.

In Projekten der Partnerschaft war uns die Eigenbeteiligung der Begünstigten immer schon sehr wichtig. Wer also zum Beispiel in den Genuss von Trinkwasser kommen wollte, sollte auch beim Ausheben der Gräben, bei der Beschaffung von Material wie Schotter, Sand oder Zement und beim Verbauen der Materialien seinen Anteil in das Projekt mit einbringen. So zum Beispiel beim Trinkwasserprojekt von Nuevo Chachapoyas: Bei der Durchführung dieses Projekts brachte die Bevölkerung schwere körperliche Arbeit und auch Material vor Ort als Eigenleistung mit ein. Gräben wurden von Hand gegraben und Wasserrohre verlegt. Die Dorfgemeinschaften lernen dabei gleich die Instandhaltung, für die sie dann selbst zuständig sind. Bei der Einweihung solcher Projekte ist die Dankbarkeit der Bevölkerung sehr groß, die den Mitgliedern des „consejos“ entgegengebracht wird.

Leider beinhalten staatliche Projekte oft auch die Bezahlung von Tagessätzen an die arbeitende Bevölkerung, was es immer schwieriger macht, nach unserer bisheriger Vorgehensweise Projekte durchzuführen. Nach staatlichen Regeln wird man also für den Wasseranschluss des eigenen Hauses bezahlt. Unsere Vorstellung ist es aber, dass die Eigenleistung als Eigenanteil am Projekt anstatt Geld selbst eingebracht wird.

Da für den peruanischen Staat ein Modell der brasilianischen Regierung übernommen wurde, nachdem sich alle Bürgermeister regelmäßig für ihre Arbeit öffentlich rechtfertigen müssen, sind „kosmetische“ Projekte wie der Anstrich und die Umgestaltung des Rathauses in einer Prioritätenliste neben der Versorgung mit Wasser, Strom, Straßen u.a. Infrastruktur zu führen und zu bewerten. Die Bürgermeister stehen also unter Erfolgszwang, was dem Fortschritt in den Dörfern und Städten nützt.

Der peruanische Staat setzt aber inzwischen auch viel Geld für diese Projekte ein und ganze Täler werden mit Trinkwasser und Strom versorgt. Die Hilfe der Partnerschaft ist fortan da gefordert, wo Projekte auf Grund des zu geringen Umfangs für staatliche Projekte uninteressant sein werden.

Im Jahr 2012 veranstaltete der Verein Alianza e.V. gemeinsam mit dem Ibichhofteam der Kirchengemeinden und im Rahmen des Kinderferienprogramms Dunningen-Eschbronn mit großem Erfolg das erste „Eine-Welt-Camp“. Was Jahre zuvor als „Peru-Tag“ begann, wurde jetzt zu einer herausfordernden Zukunftswerkstatt für junge und jung gebliebene Teamer und ca. 35 Teilnehmer im Alter zwischen 9 und 15 Jahren. Bei Gemeinschaftsaktionen und in verschiedenen Workshops werden aktuelle Themen aus Bereichen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung und dem Globalen Lernen, zu ökologischen, interkulturellen und weltkirchlichen Fragen, Globalisierung und Nachhaltigkeit erarbeitet, wobei Spiel und Spaß nie zu kurz kommen. Auf dem Ibichhof im Simonswäldertal, der für das Camp den idealen Rahmen bietet, wurden so Exkursionen unternommen, Songs komponiert, Hörspiele aufgenommen, Videos gedreht, Brücken gebaut, ein Wegkreuz und Hinweisschilder angefertigt und noch vieles mehr. Das „Eine-Welt-Camp“ wird von nun an jährlich durchgeführt.

Im Jahr 2014 startete das „Reverseprogramm“. Damit ist der Austausch von jungen Menschen gemeint, die aus Argentinien, Brasilien aber auch aus Peru zu uns in den globalen Norden kommen. Es soll ein interkultureller Austausch in beide Richtungen und die Chancengleichheit gefördert werden, was „Weltkirche“ erlebbar macht und speziell auch unsere Partnerschaft stärkt: Beide Seiten sollen voneinander lernen. Mit Sairita und Irma hatten wir zwei liebevolle junge Frauen aus Chachapoyas, die sich täglich in den Aufgaben im Kindergarten St. Martinus, dem Pfarrbüro und der Tagespflege einbrachten und schnell Anschluss fanden. Später folgte Olegario, dann César. Seit dem Jahr 2019 ist Faviola bei uns. Die „Reversler“ sind während ihrer Zeit bei Gastfamilien aus Dunningen oder Seedorf untergebracht. Organisiert wird das Reverseprogramm von Dagmar Braun und Martina Schwarz.

Mit der Umbenennung des „Gemeinsamen Missionsausschusses“ im Jahr 2014, sollte der mehrdeutige Begriff der „Missionierung“ ersetzt werden. Ab sofort lautet der Name „Alianza-Gremium für Chachapoyas“ (AGC), was unsere Verbundenheit zum Rat der Partnerschaft (dem „Consejo de la Alianza“, wie er in Chachapoyas genannt wird) noch mehr unterstreicht. Das Ziel ist das Gleiche: Den ärmsten Menschen in Chachapoyas eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen.

Seit dem Jahr 2015 wird die Gesamtleitung des AGC auf drei Personen, Dagmar Braun, Fritz Lohmüller und Frank Friedrich verteilt. Der AGC, der aus etwa einem Dutzend engagierter Freunde Perus besteht, trifft sich monatlich, um die vielfältigen Aufgaben zu besprechen und zu koordinieren. Ebenfalls wurde im selben Jahr ein Team für die „Freiwilligen im Sozialen Jahr“ (FSJ) einberufen, dem Karina Arnold, Tabea Kaupp und Stefan Schwarz angehörten und deren Aufgabe die Auswahl, Vorbereitung und Betreuung, sowie die Evaluation des Dienstes der FSJler war. Im gleichen Jahr feierte man das 35-jährige Bestehen mit einem Gottesdienst und einem gemeinsamen Essen im Pfarrsaal „Bischof Antonio“.

Im Internat gab es im Oktober 2016 nach 8 Jahren einen Wechsel der Internatsleitung. Die neuen Internatseltern Victor und Elvia lebten sich gut in ihren neuen Wirkungsbereich ein. Die Stipendiaten sind voll des Lobes über ihre Arbeit.

Im Januar 2017 wurde Irma Alva Tauca, die frühere Reverse-Freiwillige, zur Unterstützung der vielfältigen Verwaltungs-, Protokoll- und Koordinationsaufgaben von Projekten der Alianza, sowie zur Unterstützung im Internat auf Initiative von Frank Friedrich fest angestellt. Die bisherigen Abrechnungstätigkeiten wurden von Jesus Huaman Chichpe für uns erledigt, der aber beruflich bedingt aus Chachapoyas wegzog. Ferner war uns wichtig, dass Irma im Internat mithilft, um auch dort das Betreuerehepaar zu entlasten, in dem sie zum Beispiel bei Aktivitäten und Betreuung unterstützt und Großeinkäufe mit den Stipendiaten übernimmt.

Das Frühjahr des Jahres 2017 ging in die Geschichtsbücher Perus als Katastrophenjahr des „Küstenniño“ ein. Durch Erwärmung des Meerwassers in Nordperu bildeten sich ständig Regenwolken. Tagelange Regenfälle überschwemmten die großen Küstenstädte des Nordens – in manchen Städten stand der Marktplatz metertief unter Wasser. Aus Rinnsalen wurden reißende, schlammgeladene Fluten. Neben ganzen Straßenabschnitten wurden auch wichtige Brücken zerstört. Chachapoyas war durch Erdrutsche ebenfalls stark beeinträchtigt und zeitweise von der Versorgung aus den Küstengebieten abgeschnitten.
Auf eine 20-jährige Vereinsgeschichte durfte der Alianza e.V. Pro Amazonas Peru im Jahr 2017 zurückblicken. Bei einem Wochenendaufenthalt auf dem Ibichhof trafen sich viele Ehemalige zum Austausch über die aktuelle Situation in der Diözese Chachapoyas und Peru.

Auf Initiative von Marianne Puerta Vásquez wurde ein besonderes Projekt im Jahr 2019 gestartet: in Kooperation mit Mardeli Lozano Zegarra, der Behindertenbeauftragten des Departments Amazonas, konnten Rollstühle und Gehhilfen für bedürftige Menschen mit Handicaps finanziert und verteilt werden. Ihre Freude über diese Unterstütz war unermesslich groß. Die finanzielle Unterstützung kam in diesem Fall durch das Ibichhof-Team, das regelmäßig inzwischen einzelne Projekte der Alianza unterstützt. Der AGC kann daher über die eigenen finanziellen Mittel hinaus Projekte durchführen.
Seit dem Jahr 2019 unterstützen wir auch ein Obdachlosenheim in Bagua, das durch Padre Robert initiiert und geleitet wird.

Zu unserem 40. Jubiläum im Jahr 2020, haben wir Bischof Emiliano und die Internatseltern Victor und Elvia nach Dunningen eingeladen, um am Sonntag, den 15. März gemeinsam in einem Festgottesdienst mit anschließendem Gemeindefest in der Turn- und Festhalle und Dankandacht das Jubiläum zu feiern.

Die „Geschichte unserer Partnerschaft von 1980-2020“, von Frank Friedrich.

 

Sophia und Leonie